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  • 31. Mai 2012

    Verpackungen in der technischen Sauberkeit – Interview mit Dipl.-Ing. Kerstin Lau, Antalis Verpackungen

    Technische Sauberkeit macht selbstverständlich auch nicht vor Verpackungen halt. Besonders gefordert sind hier Zuliefererbtriebe, deren Kunden unter reinraumtechnischen Kriterien fertigen. Allerdings werden noch immer entsprechende Erfordernisse und lösungsorientierte Verpackungsstrategien weit unterschätzt. Wir haben nachgefragt.

    Druckverschlussbeutel

    Restschmutzoptimierte Verpackungskonzepte sichern Qualitätsmaßstäbe (Foto: Antalis-Verpackungen.de)

    Besonders in der Automobilindustrie haben Produktionen unter Sauberkeitskriterien einen besonderen Stellenwert. Hersteller fordern daher bereits im Vorfeld von ihren Zulieferern besondere Restschmutzanforderungen. Damit geraten Aspekte rund um den Versand und speziellen Verpackungen noch deutlicher in den Fokus. Ohne professionelle Beratung und ein diesbezügliches Produktangebot zu Verpackungen in der technischen Sauberkeit können derartige Herausforderungen und zufriedenstellende Lösungen nicht gemeistert werden. Das schwäbische Unternehmen Antalis Verpackungen mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen hat sich unter anderem auf diesen komplexen Bereich spezialisiert. Wir haben nachgefragt: Im Gespräch mit Kerstin Lau, Leiterin Prozess- und Anwendungstechnik Korrosionsschutz im Unternehmen Antalis Verpackungen. Die Diplom-Ingenieurin UCT (University of Cape Town) hat an der Universität Karlsruhe – Chemieingenieurwesen studiert und ist seit 2007 für das Unternehmen tätig.

    Kerstin Lau

    Kerstin Lau, Leiterin Prozess- und Anwendungstechnik Korrosionsschutz (Foto: Antalis-Verpackungen.de)

    Frau Lau, Verpackungen in der technischen Sauberkeit haben einen besonders hohen Stellenwert. Wie kommt es, dass dieser oftmals doch noch unterschätzt wird?

    Viele metallverarbeitende Firmen haben hohen Aufwand bei der Optimierung der Fertigungs- und Reinigungsprozesse betrieben, um die Restschmutzforderungen ihrer Kunden erfüllen zu können. Dabei wurde die Produktion allerdings oft sehr isoliert betrachtet.

    Die anschließende Logistik und Verpackung, die den erreichten Reinheitszustand der Bauteile konservieren sollte, wurden vernachlässigt, da Verpackung in vielen Betrieben immer noch ein „notwendiges Übel“ ist, das nur Geld kostet. Die Erkenntnis, dass die Verpackung auch ein Teil der Fertigungs- bzw. Prozesskette ist und dazu dient, die Wertschöpfung zu erhalten, setzt sich aber langsam immer mehr durch.

    Kommen keine speziellen Verpackungen zum Einsatz, so sind Kontaminationen bei der Verpackung regelrecht vorprogrammiert?

    Die Verpackung muss immer den Anforderungen entsprechend ausgelegt werden. Gibt es keine Restschmutzforderungen kann durchaus auch eine Gitterbox oder ein anderer „nackter“ Behälter als „Verpackung“ ausreichen. Bei geringen Anforderungen hilft teilweise schon ein Folienbeutel um Kontaminationen von außen zu verhindern.

    Bei hohen Anforderungen muss nicht nur die Kontamination von außen verhindert werden, sondern auch Partikel durch mechanische Belastung der Bauteile (Aneinanderschlagen, Aneinanderreiben etc.).

    Dazu sind dann spezielle Konstruktivverpackungen notwendig, die die einzelnen Bauteile voneinander trennen und schützen. Auch Verschmutzungen durch Verpackungsmaterialien, wie Papierfasern können ein Thema sein. Sind solche so genannten „weichen“ Partikel nicht erlaubt, muss Verpackungsmaterial eingesetzt werden, dass möglichst abriebfest ist.

    Kontaminationen von außen spielen in der Sauberfertigung eine große Rolle. Die Gefahren, die in den weiterführenden Bereichen wie etwa Logistik, Lagerung, Verpackung und Transport lauern, sind immens?

    Ja, Kontaminationen lauern überall. Das können Metallpartikel aus der Produktion sein (z.B. von Schleifprozessen) die in der Produktionsatmosphäre vorhanden sind, Partikel aus verschmutzten Transportbehältern, Holzspäne von Paletten, Staub, der sich im Lager auf die Bauteile legt und Sand und Schmutz, der z.B. beim Transport mit dem Stapler „aufgewirbelt“ wird, aber auch natürliche Kontaminationen wie Blütenpollen. Auch was mit Verpackungseinheiten auf dem Transport mit LKW, Flugzeug oder Schiff geschieht, kann niemand genau sagen. Beim Um- und Abladen kommt es bei unzureichender Verpackung immer wieder zu Beschädigungen und dann zu Rückverschmutzungen.

    Welche hauptsächlichen Kriterien müssen denn restschmutzoptimierte Verpackungskonzepte unbedingt erfüllen?

    Gitterboxenauskleidung

    Gitterboxenauskleidung als Teil des Verpackungskonzeptes (Foto: Antalis-Verpackungen.de)

    Sie müssen natürlich gegen Kontaminationen von außen schützen, je nach Transportweg und -mittel auch mechanisch belastbar sein, aber auch verhindern, dass Partikel aus den Bauteilen selbst „herausgelöst“ werden (Abrieb, abbrechende Grate etc.) Außerdem darf es nicht zu Verschmutzungen durch die Verpackung selbst kommen. Dazu werden abriebfeste Verpackungsmaterialien eingesetzt.

    Im Extremfall, falls tatsächlich in einem Reinraum gearbeitet wird, können für die Innenverpackung auch Folien verwendet werden, die im Reinraum produziert und konfektioniert wurden und selbst nur eine definierte Partikellast aufweisen. Auch eine antistatische Ausrüstung von Folien kann das Anlagern von Staub reduzieren.

    Gibt es im Bereich Verpackungen für die Technische Sauberkeit praktisch für alle Verpackungsbelange Lösungen?

    Grundsätzlich ja. Es ist aber natürlich auch immer eine Frage der Wirtschaftlichkeit.

    Unter anderem wird von Ihrem Unternehmen auch das sogenannte „Mehrwegtray für Kistenladungsträger (KLT)“ angeboten. Was hat es damit auf sich?

    Dabei handelt es sich um Verpackungen, meist aus Kunststoff, in denen die Bauteile vereinzelt, von einander getrennt gesetzt werden und dadurch schon gut geschützt sind. Je nach Material können die Trays auch gereinigt werden, z.B. durch wässrige Reinigungssysteme, um sie wieder in einen definierten Sauberkeitszustand zu versetzen. Die Trays können auch mit weiteren Funktionen ausgerüstet werden, wie z.B. Korrosionsschutz oder definierten Oberflächenwiderstand.

    Wozu werden die ebenfalls von Ihrem Hause angebotenen Gitterboxen mit Folienbeutel benötigt?

    Das ist die einfachste, aber oft schon recht wirkungsvolle Methode Teile hauptsächlich innerbetrieblich entlang der Fertigungskette vor Kontaminationen und Rückverschmutzungen von außen zu schützen.

    Was müssen sich Praktiker und Planer in der technischen Sauberkeit unter dem Begriff „formschlüssige Verpackungen“ vorstellen?

    Verpackungen, in denen die Teile sehr eng, ohne Spiel sitzen.

    Große Bedeutung hat auch der Korrosionsschutz in Hinblick auf Verpackungen und Gewährleistung. Welche Lösungs- und Produktangebote bietet Ihr Unternehmen hierzu?

    Korrosionsschutz

    Der Korrosionschutz spielt eine herausragende Rolle (Foto: Antalis-Verpackungen.de)

    Gerade bei Bauteilen aus Stahl und Guss, die weltweit verschickt werden, spielt Korrosionsschutz eine große Rolle. Der klassische Korrosionsschutz in der Metallindustrie ist immer noch Öl. Geölte Bauteile haben allerdings den Nachteil, dass sie Schmutz und Partikel geradezu magisch anziehen. Gerade im Hinblick auf die technische Sauberkeit gewinnt daher „trockener“ Korrosionsschutz, der durch die Verpackung gewährleistet wird, immer mehr an Bedeutung. Ein „trockenes“ Korrosionsschutzverpackungssystem ist die sog. VCI-Verpackung. Dabei handelt es sich um Verpackungsmaterialien (hauptsächlich Papier und Folien), in die leicht flüchtige Korrosionsinhibitoren (VCI-Wirkstoffe) eingearbeitet sind, die beständig ausdampfen.

    Werden Bauteile in diese Materialien verpackt, setzen sich die Wirkstoffe auf die Bauteiloberfläche und inhibieren diese und bilden eine wasserabweisende monomolekulare Schutzschicht, die sich nach dem Auspacken auch wieder von den Bauteilen verflüchtigt. Dadurch ist ein Reinigen vor der Weiterverarbeitung nicht notwendig. Der Endkunde erhält saubere, ungeölte („trockene“) und korrosionsfreie Bauteile.

    Die technische Sauberkeit, die die Bauteile vor dem Verpacken erreichen, bleibt erhalten. Die VCI-Verpackung ist allerdings ein erklärungsbedürftiges System. Bestimmte Anwendungshinweise müssen beachtet und bestimmte Anforderungen an die Bauteiloberfläche erfüllt werden. Daher bieten wir Verpackungsschulungen und Beratungen an, die auch den Fertigungsprozess einschließen. Hat ein Kunde solch eine „Prozesszertifizierung“ durchlaufen, geben wir auch Gewährleistung auf den Korrosionsschutz.

    Werden die Herausforderungen innerhalb der technischen Sauberkeit auch in Hinblick der Verpackungen künftig größer und Lösungen somit noch komplexer?

    Das Thema „technische Sauberkeit“ wird uns und unsere Kunden sicherlich die nächsten Jahre weiter begleiten und beschäftigen. Auch die Verpackungskonzepte rücken diesbezüglich immer stärker in den Fokus und werden kritischer beleuchtet. Wir sind allerdings bestrebt, möglichst einfache und kostengünstige Lösungen zu finden, die ihre Aufgabe erfüllen ohne überkonstruiert zu sein.

    Welchen diesbezüglichen Aufgaben stellt sich insbesondere Ihr Unternehmen in der Zukunft?

    Wir werden die Entwicklung der Restschmutzanforderungen weiterhin beobachten. Unsere Aufgabe wird es sein, mit geeigneten, auch neuartigen Verpackungsmaterialien und den entsprechenden Logistik-Konzepten die technische Sauberkeit der Bauteile unserer Kunden entlang der Lieferkette zu erhalten.

    Das Interview führte Ursula Pidun

    Kontaktinformation:

    Dipl.-Ing. Kerstin Lau
    Antalis Verpackungen GmbH
    +49 711 75907 28
    k.lau@antalis-verpackungen.de
    www.antalis-verpackungen.de

     
    Verpackungen für die technische Sauberkeit:

    Weitere Interviews:

    Reinraumschleuse ROMTEC CRA setzt Maßstäbe – Interview mit Dipl.-Ing. (BA) Jochen Laauser
    Universitätslehrgang Reinraumtechnik TU Graz – Interview mit Prof. Dr. Johannes Khinast
    Binnig and Rohrer Nanotechnology Center bei IBM Research Zürich – Interview mit Dr. Roland Germann
    Reinraum – Karriere in der Mikrotechnologie – Interview mit Katharina Kunze, ZEMI Berlin

    Verweise:

    Zunehmende Automatisierung im Reinraum
    Technische Sauberkeit im Bereich der Kunststoffverarbeitung in der Automobilindustrie
    Technische Sauberkeit in der Montage
    Sauberfertigung – Personal im Fokus
    Sauberraum – Auswahl der Sauberkeitsstufe
    Partikel – Beherrschung und Minimierung
    Abriebfestigkeit von Reinraumbekleidung
    Elektrostatisches Verhalten von Reinraumbekleidung
    VDA 19 Teil 2 – Technische Sauberkeit in der Montage



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