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  • 31. Januar 2012

    3.800 Quadratmeter Reinraum – Interview mit Willibald Gabler, Danfoss Silicon Power GmbH

    Wenn eine Delegation hochrangiger Politiker mit weißen Hauben, Kitteln und Überziehschuhen einen riesigen Reinraum bewundern, dann muss es schon um etwas ganz Besonderes gehen. Tatsächlich: In Flensburg entwickelt sich die Danfoss Tochterfirma Silicon Power zu einem beachtlichen High-Tech-Zulieferer. Dafür betreibt das Unternehmen nun auch einen Reinraum in der beträchtlichen Größe von über 3.800 Quadratmetern. Wir haben nachgefragt.

    Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier besichtigt mit einer Delegation die neuen DSP- Reinräume in Flensburg (Foto: DSP)

    Die Danfoss Silicon Power GmbH mit Sitz in Schleswig ist ein Tochterunternehmen des weltweit erfolgreichen Danfoss Konzerns. Es gehört zum Geschäftsbereich der Danfoss Power Electronics, einer der fünf Divisionen des Danfoss Konzerns, die sich auf Climate & Energy konzentrieren. Das kontinuierlich wachsende Unternehmen entwickelt, produziert und vertreibt mit aktuell etwa 300 Mitarbeitern kundenspezifische, elektronische Leistungsmodule für einen weltweiten Markt.

    Nahezu 300 Mitarbeiter sind derzeit im Danfoss-Tochterunternehmen Silicon Power in Schleswig beschäftigt und es sollen noch mehr werden. Das Unternehmen verlagert 2012 seinen Produktionsstandort von Schleswig in das 30 Kilometer entfernte, nördlich gelegene Flensburg. Bis 2015 will der Unternehmenszweig in Norddeutschland um weitere 40 Prozent auf dann etwa 500 Mitarbeiter wachsen. Die Produktionsstätte wird ein imposanter Reinraum von beachtlichen 3.800 Quadratmetern sein. Noch befindet sich die unter reinraumtechnischen Bedingungen einzurichtende Fertigungshalle im Aufbau. Doch schon bald sollen u.a. die ersten blitzsauberen und staubfreien Module für die Automobilindustrie vom Band laufen.

    Soviel Innovationsfähigkeit brachte in diesen Tagen sogar die politische Prominenz auf den Plan. So zählten Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, die Flensburger Landtagsabgeordnete Susanne Herold, Generalkonsul Henrik Becker-Christensen sowie Vize-Stadtpräsidentin Swetlana Krätschmar zu den ersten Gästen, die den neuen, gigantischen Reinraum bestaunen konnten. Was hier künftig unter welchen Reinraumkriterien produziert und entwickelt wird, möchten auch wir genauer wissen und haben nachgefragt. Im Gespräch mit dem Produktionsleiter des Unternehmens Willibald Gabler. Der diplomierte Wirtschaftsingenieur ist seit 2003 bei Danfoss Silicon Power tätig, ab 2006 in der Funktion als Manager Operations und seit 2009 als Director Production, Danfoss Silicon Power.

    Herr Gabler, Sie haben mit Ihrem Team in Flensburg einen Reinraum in der Größe von über 3.800 Quadratmetern aufgebaut. Wie ist der Stand der Dinge und für wann planen Sie den vollständigen Produktionsbetrieb?

    Willibald Gabler DSP

    Willibald Gabler, Produktionsleiter Danfoss Silicon Power (Foto: DSP)

    Der Reinraum an unserem neuen Produktionsstandort in Flensburg wurde bereits im letzten Jahr fertiggestellt und zertifiziert. Erste Fertigungsanlagen sind bereits in Betrieb. Der Fokus liegt nunmehr darauf, die Produktionsanlagen aus Schleswig nach Flensburg zu verlegen.

    Die Einhaltung der Qualitätsanforderungen, die Berücksichtigung der kundenspezifischen Belange sowie die unterbrechungsfreie, kontinuierliche Belieferung der Kunden hat dabei höchste Priorität. Der Abschluss aller Maßnahmen ist für das 4. Quartal geplant.

    Welche Produkte bzw. Bauteile und Module sollen in den Reinräumen künftig gefertigt werden?

    Danfoss Silicon Power entwickelt, produziert und vertreibt kundenspezifische Leistungsmodule für die Bereiche Industrie, Automotive und erneuerbarer Energie unter anderem für Frequenzumrichter, Stromversorgung, Hybridfahrzeuge, Lenksysteme sowie für Solarstrom und Windturbinen. Verwendet werden sie zur Steuerung und Regelung elektrischer Verbraucher, auch mit dem Ziel, Energie äußerst ökonomisch einzusetzen.

    Was war der Grund, die Niederlassung Flensburg für dieses Vorhaben auszuwählen? Spielen hierbei auch logistische Aspekte eine Rolle, wie etwa die Anbindung an den Hafen?

    Die millionenschwere Investition war gleich aus zwei Gründen erforderlich geworden: Zum einen, um die hohen ISO/TS-16949-Qualitätsstandards für die Produktion von Leistungsmodulen langfristig zu erhalten und zum anderen, weil die Räumlichkeiten am Standort in Schleswig aufgrund des starken Wachstums unsere Kapazitätsgrenzen sprengten. Flensburg als Hafenstadt spielte dabei keine Rolle.

    Wie komplex war die Einrichtung des Reinraums? Allein die spezielle Abhängekonstruktion für die Decke des Reinraums soll Tonnen an Stahl verbraucht?

    Reinraum DSP

    Reinraum Danfoss Silicon Power (DSP) Werk Flensburg (Foto: DSP)

    Von außen deutet nichts darauf hin, dass sich in dem von Danfoss im November 2010 gekauften Gebäude in Flensburg einer der momentan größten Reinräume für Leistungselektronik-Bauteile in Europa befindet.

    Um das vorhandene Gebäude aber an die erforderlichen Voraussetzungen anzupassen wurden allein 65 Tonnen Stahl für die Abhängekonstruktion der Reinraumdecke eingebaut.

    Ca. 20 Tonnen Ausgleichsspachtelmasse wurden zur Vorbereitung des ESD-Bodens aufgebracht und ca. 90 Tonnen Betonwände wurden abgerissen um die neuen Produktionsbereiche natürlich zu belichten. Hierfür wurden mehr als 350 m² raumhohe Glaselemente verbaut.

    Welchen Zeitrahmen haben diese komplexe Arbeiten in Anspruch genommen?

    MP Bouffier und Produktionsleiter Gabler

    Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier im Gespräch mit DSP-Produktionsleiter Willibald Gabler (Foto: DSP)

    In gerade mal neun Monaten hat die CAT Clean Air Technology GmbH aus Stuttgart für uns einen 4.000 Quadratmeter großen Reinraum realisiert. Bei diesem Projekt übernahm die CAT nicht nur den Part des Qualifizierers, sondern auch die Rolle des Fachplaners für Reinraumtechnik und die des Bauherrenvertreters, der die beteiligten Gewerke koordinierte und überwachte.

    Die gesamte Reinraumtechnik inklusive Medienver- und -entsorgung mitsamt Stickstoff-, Formiergas-, Druckluft- und Vakuumstation sowie Reinstwasseranlage lag in Händen von Imtech Deutschland als ausführende Firma.

    Überaus ehrgeizig war dabei auch der Zeitplan. Ende 2010 begann man mit der Machbarkeitsstudie, wenig später dann auch mit den Planungsarbeiten, das Ausschreibungs- und Angebotsprozedere war bis Ende April 2011 abgeschlossen, Mitte Mai starteten die Umbauarbeiten, Ende Oktober war der Reinraum einrichtungsfertig. Nach den Qualifizierungs- und Leistungsmessungen aller Versorgungssysteme erfolgte noch im Dezember 2011 die reinraumtechnische Abnahme und Übergabe.

    Unter welchen reinraumtechnischen Bedingungen soll künftig gefertigt werden, bzw. welche Reinraumklasse wird vorherrschen? Oder wird es unterschiedliche Sektionen geben, ggf. auch ein Schleusensystem?

    Reinraum-Flensburg

    DSP-Reinraum in Flensburg (Foto: DSP)

    Unser Reinraum in Flensburg wird nach der Luftreinheitsklasse ISO 8 klassifiziert. Bei der Realisierung des Reinraums hatte aber auch eine hohe Energieeffizienz oberste Priorität.

    Neu hinzugekommen ist ein Hybridkühlturm, wodurch Außenlufttemperaturen bis +14 Grad Celsius als einzige Kühlquelle für die benötigte Kälteleistung genutzt werden können.

    Insgesamt reduziert Danfoss damit die CO2-Emissionen um 560 Tonnen pro Jahr. Darüber hinaus entschied man sich in Flensburg für den Einsatz von LED-Leuchten, wodurch jährlich weitere 110 Tonnen CO2 eingespart werden.

    Ein weiteres technisches Feature ist unter anderem eine Hochdrucksprinkleranlage, die deutlich weniger Löschwasser benötigt als viele vergleichbare Anlagen und dadurch auch zur Reduzierung indirekter Brandschäden wie zum Beispiel durch Löschwasser oder Stillstandzeiten von Anlagen beiträgt. Die elektrisch betriebene Pumpeneinheit und die  Hochdruck-Wassernebeldüsen stammen übrigens – von Danfoss/Semco. Weiterlesen in Teil 2


    (Alle Fotorechte DSP; Animation Sauberkeit & Reinraum)

    Das Interview führte Ursula Pidun

    Weitere Interviews:

    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Interview mit Dipl.-Ing. Peter Becker
    Reinraum an der Fachhochschule Nordwestschweiz – Interview mit Prof. Dr.-Ing. Jens Gobrecht
    Reinraum am INKA in der Schweiz – Interview mit Prof. Dr.-Ing. Jens Gobrecht (2)
    Reinraum an der Johannes Kepler Universität Linz – Interview mit Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schäffler
    Reinraum am Institut für Halbleiterphysik in Linz – Interview mit Univ.-Prof. Dr. Friedrich Schäffler (2)
    Reinraumtechnik – Interview mit Dr. Lothar Gail
    Reinraum der Klasse 1 im INA der Uni Kassel – Interview mit Dr. rer. nat. habil. Martin Bartels
    Reinster Reinraum – Interview mit Dipl.-Biol. Markus Keller
    Technische Sauberkeit – INTERVIEW mit Dipl.-Ing. Hans Illig (Teil 1)
    Interview mit Dipl.-Ing. Hans Illig (Teil 2)
    CO2-Schneestrahltechnik – Interview mit Dipl.-Ing. Hans-Jörg Wössner
    Österreichische Reinraumgesellschaft (ÖRRG) – Interview mit Ing. Roman Czech
    Zukunft Reinraumbekleidung: INTERVIEW mit Carsten Moschner


    Verfasst von Ursula Pidun

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