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  • 20. Juni 2018

    Die Qual der Wahl bei der Reinraumbekleidung

    Mitarbeiter in Produktions- und Fertigungsprozessen der Branchen Medizintechnik, Pharma- und Halbleiterproduktion sowie der Lebensmittel- und Autoindustrie stellen hinsichtlich Kontaminationsrisiken das größte Problem dar. Die Gefahr des Eindringens von Partikeln, Schmutz und Keimen in den Reinraum ist hier enorm groß. Spezielle Reinraumbekleidung senkt die Risiken maßgeblich. Im Angebot ist Einweg- und Mehrwegbekleidung. Doch welches ist die richtige Wahl?

    Reinraumbekleidung

    Ob Ein- oder Mehrwegbekleidung: Für jede Anforderung gibt es passende Reinraumbekleidung.
    (Foto: nicolas_/istockphoto.com)

    Kaum ein Thema bewegt Einkäufer für Reinraumzubehör so sehr, wie die Anschaffung passender Reinraumbekleidung. Einerseits soll sie sicher und zuverlässig verhindern, dass Mitarbeiter Keime, Schmutz und Partikel in Rein- und Reinsträume einschleppen. Andererseits steht immer auch die Kostenfrage im Raum. Die Abwägung zwischen Kosten und Nutzen und dem Maßstab, höchste Reinheitskriterien unbedingt einzuhalten, bereitet besonders dann Kopfzerbrechen, wenn es darum geht, sich zwischen Einweg- und Mehrwegbekleidung entscheiden zu müssen.

    Abwägung der Kosten und Risiken

    Tabelle: Sauberkeit-und-reinraum.com

    Im Vorfeld der Entscheidung sollte daher eine genaue Analyse des eigenen Produktionsprozesses erfolgen und das individuelle Anforderungsprofil präzise definiert werden. Antistatische Eigenschaften etwa sowie Beständigkeit gegenüber Chemikalien bzw. Reinigungsmitteln haben ebenso Priorität, wie Anforderungen im Bereich der Schutzausrüstung, also den zu ordernden Overalls, Schutzhauben, Überschuhen und weiterem Zubehör. Das Zusammenspiel mit den Anforderungen zur Produktionsreinheit sowie einer Kosteneffizienzplanung führen schließlich zur bestmöglichen Kaufentscheidung.

    Laut Herstellerangaben erfüllen sowohl Einweg- als auch Mehrwegbekleidung für den Reinraum die hohen Anforderungen an die Materialbeschaffenheit. Sie bietet die gewünschten Eigenschaften und ist abriebfest, atmungsaktiv, antistatisch, fuselarm und beständig gegenüber chemischen Einflüssen. Das Material für Overalls, Schutzanzüge & Co. ist aus Polyester und sorgt damit für eine äußerst geringe Partikelabgabe. Die in den Stoff integrierten Fasern aus Karbon sichern zudem die so wichtigen antistatischen Eigenschaften. Daneben haben Tragekomfort sowie umweltfreundliche Aspekte Stellenwert. Entscheidendes Kriterium ist unter anderem aber auch die ISO-Klasse des jeweiligen hygienesensiblen Bereichs. Insbesondere in großräumigen Fertigungsbereichen mit höheren ISO-Reinraumklassen und einer Vielzahl an technischen Geräten kommt in der Regel Mehrwegbekleidung kosteneffizient zum Einsatz.

    Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

    Auch Einwegbekleidung erfüllt die erforderlichen Kriterien. In kleineren Fertigungsbereichen mit niedrigen Reinraumklassen und nur wenig reinraumtechnischer Ausstattung bietet der Einsatz von Einwegbekleidung hinsichtlich der Kosten zumeist die bessere Wahl. Die wesentlichen Vorteile von Einweg-Reinraumbekleidung liegen in einem sehr hohen Partikelrückhaltevermögen sowie großer Stabilität gegenüber chemischen und toxischen Einflüssen. Zum Einsatz in höheren Reinraumklassen wird allerdings eine Vorreinigung notwendig. Hier sollte im Vorfeld geprüft werden, ob sich der ursprüngliche Kostenvorteil durch diesen Aufwand noch aufrecht erhalten lässt. Da es sich bei Einweg-Reinraumbekleidung um Massenanfertigung handelt, lassen sich individuelle Wünsche zudem kaum realisieren.

    Perfektion von der Haube bis zu Spezialschuhen.
    (Foto: FroggyFrogg/istockphoto.com)

    Hinsichtlich der Einwegbekleidung ist Vertrauen gut, Kontrolle jedoch besser. Auch wenn diese Bekleidung oftmals mit ISO-Angaben angepriesen wird, sollte nachgehakt werden, ob damit womöglich nur die Infiltrationsleistung dokumentiert wird. Damit stellt sich die Frage, inwieweit der Hersteller sicherstellt, dass die Einmalbekleidung im Rahmen normaler Produktionsprozesse in einer ungeschützten Produktionshalle nicht bereits von vornherein kontaminiert wurde.

    Zwischenbekleidung hat hohe Priorität

    Ob Ein- oder Mehrwegbekleidung: Unbedingte Berücksichtigung sollte die Tatsache finden, dass normale Bekleidung unter der Reinaumbekleidung eine zusätzliche und zudem äußerst hohe Gefahr der Kontamination mit Partikeln und Schmutz darstellt. Trotz Anwendung von qualitativ hochwertiger Reinraumbekleidung werden so Abriebpartikel und anderweitige Verschmutzungen in den Reinraum eingeschleppt. Die beste Reinraumbekleidung nutzt nur wenig, wenn dieser Aspekt nicht im Fokus der Entscheidung für den bestmöglichen Einkauf liegt. Wird Straßenkleidung durch spezielle Zwischenbekleidung ersetzt, minimiert sich das Risiko der Kontamination nochmals erheblich. Das Material spezieller Lang- und Kurzarm-Shirts sowie weiterer Unterbekleidung besteht in der Regel ebenfalls aus Polyester und verfügt zudem über hervorragende Trageeigenschaften.

    Fazit: Praktiker, Planer und Einkäufer sehen sich vor dem Einkauf der geeigneten Reinraumbekleidung einer Vielzahl an Fragestellungen ausgesetzt. Insgesamt lässt sich zusammenfassen, dass in größeren Reinraumbereichen mit relativ hohen Reinraumklassen Mehrwegbekleidung die bessere Alternative darstellt. Hygienesensible Bereiche mit kleinerem Umfang, niedrigeren Reinraumklassen und wenig reinraumtechnischer Ausstattung hingegen liegen hinsichtlich der Kosten mit Einwegbekleidung auf der effizienteren Seite – kontaminationsfreie Herstellung vorausgesetzt. Die Anschaffung geeigneter Zwischenbekleidung hat allerdings einen zusätzlichen Stellenwert, der in keinem Fall vernachlässigt werden darf.

    Verweise:

    Reinraumhandschuhe – sauber bis in die Fingerspitzen
    Zunehmende Automatisierung im Reinraum
    Sauberfertigung – Personal im Fokus
    Sauberraum – Auswahl der Sauberkeitsstufe
    Partikel – Beherrschung und Minimierung
    Zukunft Reinraumbekleidung – Interview mit Carsten Moschner
    Reinraumbekleidung in voller Pracht
    Reinraumtaugliche Zwischenbekleidung
    Partikelrückhaltevermögen von Reinraumbekleidung
    Abriebfestigkeit von Reinraumbekleidung
    Elektrostatisches Verhalten von Reinraumbekleidung
    VDA 19 Teil 2 – Technische Sauberkeit in der Montage

    Verfasst von Ursula Pidun

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